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2G oder 3G - das ist hier die Frage!

Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
der Sommer ist vorbei. Das zeigen nicht nur die herbstlichen Temperaturen, sondern auch die aktuelle Pandemie-Lage. Die Inzidenzen klettern nach oben, die 50 ist längst gerissen. Seit heute gilt deshalb für Gastronomie und Hotels die 3G-Regelung der neuen Landesverordnung - bewirtet wird im Innenbereich eines Restaurants nur, wer geimpft, genesen oder getestet ist. Das schreibt zumindest die erste von drei Warnstufen vor, in Zukunft werden neben der Inzidenz aber auch Faktoren wie die Zahl der Krankenhauseinweisungen und die Quote belegter Intensivbetten eingerechnet. So weit so kompliziert. Zumal im Oktober die kostenlosen Bürgertests gestrichen werden.
Wie reagieren Hannovers Wirtinnen und Wirte auf das neue Regelwerk? Die Meinungen gehen auseinander, hat meine Kollegin Cecelia Spohn bei Ihrer Recherche festgestellt (hier gehts zum kompletten Artikel). Andreas Wolter, Inhaber der „Wald See Küche" Langenhagen und der Catering-Firma „Rocky Lobster", spricht von einer „großen Erleichterung", fürchtet aber auch Mehraufwand in Sachen Bürokratie. Ein Mitarbeiter am Eingang müsse ja schließlich den Status der Gäste kontrollieren. Was vielen Gastronominnen und Restaurantbesitzern Kopfzerbrechen macht, ist die Planungssicherheit: Was bringen die weiteren Warnstufen? Wie stark fällt die vierte Welle aus? Wie zuverlässig sind die Tests?
3G macht den Restaurant- oder Kneipenbesuch für Ungeimpfte unbequem, ab Oktober auch teuer. Das soll Anreiz sein, sich doch für die möglicherweise lebensrettende Spritze beim Hausarzt zu melden. Aber auch das 2G-Szenario steht am Horizont: Hamburg geht diesen Weg - nur wer Impfung oder überstandene Infektion nachweisen kann, darf in der Hansestadt auch speisen. Oder in der Wedemark am 4. September beim Holi-Festival nach indischer Tradition ausgelassen feiern, tanzen und mit Farbe um sich werfen. „Wir haben uns vorsorglich für 2G entschieden. Das hat uns Planungssicherheit gegeben", erklärt Veranstaltungsleiter Christian Fischer. „Wir wollen, dass sich alle wohlfühlen.“ Bei einer Umfrage habe er festgestellt, dass nur zwölf Prozent der Holi-Fans ungeimpft seien - sie konnten die Tickets zurückgeben (hier gehts zum ganzen Text).
3G oder gleich 2G - das ist die Frage, der sich Hannovers Gastroszene in diesen Tages stellen muss. Gerade in der Club-Szene tendieren Betreiber zu der strengeren Auslegung - weil die Maskenpflicht auf der Tanzfläche entfällt, wenn nur Geimpfte und Genesene Einlass bekommen. „Dax Bierbörse” und „Zaza" wählen diesen Weg. „Ich befürchte einigen Ärger an der Tür", ahnt Rainer Balke vom Hotel- und Gaststättenverband.
Erst seit wenigen Wochen haben die Brüder Mahboub (Foto) und Massoud Kader ihr „Amaro" in Isernhagen N.B. eröffnet. Ihre neuen Gäste wollen sie nicht gleich wieder verschrecken, sie haben sich für 3G entschieden - mit entsprechendem Service. „Ich mache bei den Johannitern einen Kurs", erzählt Mahboub Kader. „Mit dem Zertifikat darf ich die Gäste testen.“ Außerdem investieren die Brüder in einen Wintergarten auf der Terrasse - nachdem sie bereits 80.000 Euro in die Sanierung der Gaststätte am Sportpark Isernhagen gesteckt hatten.
Für die Kaders schließt sich der Kreis, sie sind in Isernhagen aufgewachsen. Und haben Ende 2020 nach neun Jahren am Raschplatz die Reißleine gezogen. „Warm up” hieß die Mischung aus Tanzlokal und Cocktailbar, der nicht nur die Pandemie und zwei lange Lockdowns die Existenzgrundlage entzogen. „Unerträglich" nennt Mahboub Kader die Gastro-Situation hinter Hannovers Bahnhof, wo Trinkerszene, Obdachlose und Drogenabhängige das Publikum abschrecken und den Arbeitsalltag erschweren. „Isernhagen ist dagegen eine Oase.“
Eine Oase ohne Pandemie wünscht man sich in diesen Tagen. Aber wir sind in einer Phase, in der wir lernen müssen, mit dem Virus zu leben. Impfen hilft, Rücksicht und Achtsamkeit für die Mitmenschen ebenso.
Immer donnerstags halten wir Sie auf dem Laufenden über Neuigkeiten aus Hannovers Gastroszene. Haben Sie Anregungen oder Kritik? Melden Sie sich per Mail an gastro@neuepresse.de
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