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Das Wechselbad der Gastro-Gefühle

Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover
Liebe Leserinnen und Leser,
es hat Gastronomen noch nie geschadet, über den Tellerrand zu schauen. Kreative Ideen werden belohnt - denn das Publikum liebt instagramtauglich inszenierte Lokale, originelle Gerichte oder Angebote, die über Speis und Trank hinausgehen. Doch in diesen Tagen ist Erfindergeist in der Gastro-Szene überlebenswichtig.
„Nichts tun ist nicht mein Ding", sagt zum Beispiel Frank Ochotta, der zusammen mit Küchenchef Ronny Spaniel das „La Rock" in der Lister Voßstraße 51 zum „Restaurant des Jahres 2019" gemacht hatte. Eigentlich hatte er geplant, für festliche Adventsessen ins deutlich größere Acanto auszuwandern. Vom zweiten Lockdown lässt er sich aber nicht unterkriegen: Die „La Rocker" haben befreundete Unternehmer und Gastronomen zusammengetrommelt und haben im Lokal kurzerhand einen Weihnachtsbasar eröffnet. „Wenn ich die Räume nicht als Restaurant nutzen kann, dann muss ich mir eben etwas anderes ausdenken", sagt Ochotta pragmatisch.
Ein Dutzend Läden machen mit - Donnerstag bis Sonntag von 16 bis 20 Uhr kann man nach Weihnachtsgeschenken und Advents-Mitbringseln stöbern. Es gibt Stollen von Kreipe, Brotspezialitäten der Backgeschwister, Luftballons von Ballon Fantasy, Holzsachen von Oak Brother, Deko von Milles Fleurs, Wein von Le Sommelier - und vieles mehr. Ochotta hat offenbar den Nerv getroffen. „Ein echter Selbstläufer", sagt er über die Suche nach Mitstreitern für das Projekt.

Neue Kaffeemanufaktur öffnet in der Altstadt

Auch Andreas Berndt von der Hannoverschen Kaffeemanufaktur wagt ein neues Projekt mitten in der Corona-Krise: In der Altstadt hat er gestern sein viertes Geschäft eröffnet: Kaffee und Cappuccino wird er in der Kramerstraße 25 vorerst nur „to go" verkaufen können, doch er träumt bereits von Barista-Kursen und Showröstungen im aufwändig renovierten denkmalgeschützten Laden. „Die Corona-Zeit müssen wir jetzt durchhalten", weiß er. Aber er ist Optimist: „Ich habe ein warmes Gefühl im Bauch und fühle mich in der Altstadt total willkommen", erzählte er meiner Kollegin Sophie Peschke (hier geht’s zum Text).

„Ole Deele" macht Schluss mit Sterne-Gastronomie

Neustart hier, das Ende einer Ära dort: Am 31. Januar 2021 kommt voraussichtlich das Ende der Sterne-Gastronomie in Burgwedel - Elfrun Kühn will die „Ole Deele" schließen, Gespräche über mögliche Nachfolger und neue Konzepte laufen. 14 Jahre führte sie das Gourmet-Restaurant, über dem seit 2011 ein Michelin-Stern strahlte. Vier der neun Mitarbeiter haben bereits die Kündigung. Gründe für das Aus sind die Pandemie - und der Umgang der Politik damit: „Wir hätten unter normalen Umständen noch zwei Jahre gemacht. Aber der Corona-Stress war so groß. Es spukte irgendwann in unseren Köpfen herum, früher aufzuhören“, erklärte die 63-Jährige. Sie versichert den „Ole Deele"-Fans aber, bei der Wahl des Nachfolgers auf Qualität zu achten: „Es wird keine Schnitzelbude.“
Der Teil-Lockdown geht in die Verlängerung

Die Ministerpräsidenten haben sich gestern geeinigt: Der Teil-Lockdown wird bis 10. Januar verlängert, die meisten Gastronomen hatten geahnt, dass das Geschäft erst nach den Weihnachtsferien wieder anläuft. In den beiden Spandau-Lokalen in der Nord- und in der Südstadt haben Heiko Heybey und Dirk Sabrowski Anfang der Woche bereits die Reißleine gezogen - sie schließen bis 10. Januar, stellen auch den Außer-Haus-Verkauf ein. Der eine Grund: Das „To go"-Geschäft ist nicht wirtschaftlich. Der andere: Die Infektionszahlen stagnieren auf hohem Niveau - „wir wollen aus Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern und Familien nicht so weitermachen“, sagen die Wirte. Hier gehts zum Artikel.
Die NP bietet Gastronomen ein Forum

Andere machen weiter: Im Zwei-Sterne-Restaurant „Jante" kann man an den Advents-Sonnabenden und am 23. Dezember das Drei-Gang-Menü mit Entenbraten für zwei Personen für 125 Euro abholen. Die „Leinery-Lounge by Probierbar" liefert coole Drinks - und Burger aus dem „The Harp"-Foodtruck vor der Tür kann man gleich mitbestellen. Die beiden „L'Osteria"-Filialen haben inzwischen eine App, über die man Pizza und Pasta bestellen kann - ein Lieferdienst mit einer Zukunft auch nach dem Ende des Lockdowns (alle Infos finden Sie hier). Liebe Leser: Geben Sie uns Tipps, welche Lokale tolle Angebote haben, wir bieten Gastronomen ein Forum - eine einfache Mail an gastro@neuepresse.de reicht. 
Gastronomie in der Corona-Pandemie - für die Wirtinnen und Wirte ist das ein Wechselbad der Gefühle. Bjoern Penno vom „Jedermanns" in Neustadt am Rübenberge hat das im Interview mit meiner Kollegin Luisa Verfürth treffend beschrieben: Er schwärmt von der Treue und Unterstützung der Gästen, sie würden ihn und sein Team „virtuell in den Arm nehmen". Sein Wunsch für 2021? „Ein Stück Normalität". Dem schließen wir uns an.
Kommen Sie gesund und munter durch die Woche. Bis nächsten Donnerstag!
Andrea Tratner

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