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Die Sehnsucht nach den Menschen hinter den Tresen

Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
was fehlt uns in der Pandemie seit einem halben Jahr am meisten? Nicht nur das köstliche Drei-Gänge-Menü im Lieblingsrestaurant. Nicht nur der Rotwein, der Cocktail oder die Apfelschorle in der Stammkneipe. Sondern auch die Menschen, die hinter dem Tresen arbeiten. „Ein guter Drink ist nur der Bonus", sagt Mohamed Ben Khelifa überzeugt. Der gebürtige Tunesier, den alle „Momo" nennen, kennt sich aus mit Whiskey, Gin, Aperol (und den nicht-alkoholischen Varianten, die derzeit auf den Markt drängen), der studierte Neurowissenschaftler experimentiert mit Milchfiltration und neuen Geschmackskombinationen - aber er weiß, worauf es in einer Bar wirklich ankommt: „Die Gastgeberrolle.“
Die hat er bis zur Schließung (es gab Lärmbeschwerden) in der legendären „Probierbar” an der Limmerstraße ausgefüllt und den Gästen individuelle Cocktails gemixt. Und ab Oktober 2020 immerhin vier Wochen bis zum zweiten Lockdown in der neuen Location in der Altstadt, der „Leinery-Lounge by Probierbar". Barkeeper müssten natürlich die hohe Kunst des Shakens (immer mit Zirkulation!) beherrschen, sie seien aber auch Psychologen und Entertainerinnen, dürfen sich den Stress des Jobs nicht anmerken lassen. „Der Gast will wahrgenommen werden", ist seine Erfahrung.
Dieser persönliche Kontakt bleibt wegen Corona auf der Strecke, Ben Khelifa und sein Kompagnon Ngoc Duc „Nucki" Nguyen bieten deshalb Online-Tastings an und machen Cocktail-Schulungen. Am 22. Mai geht es um das Thema Rum. Der NP haben die beiden übrigens drei Rezepte jenseits des Mainstreams verraten - wie man „Linden Mule", „Apple Pie Punch" oder den alkoholfreien „Bonbon" mixt, erfahren NP-Leserinnen und -Leser in der Freitagsausgabe. Vielleicht kann man sich damit ja den „Tanz in den Mai" mit einer weiteren Person aus einem befreundeten Haushalt versüßen.
Zwei-Sterne-Koch streamt Rezepte aus den 60ern

So eine Pandemie macht Gastronomien erfinderisch. Alexander Herrmanns Restaurant in Wirsberg im Frankenwald ist mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Und womit beschäftigt er sich im zweiten Lockdown? Mit Fondor! Das Universalwürzmittel von Maggi ist ein Relikt aus der 60er-Jahre-Küche - der 49-Jährige macht es zum Star seiner Streaming-Show „Wem schmeckt denn sowas?“ Herrmann kocht Gerichte nach, die so seltsame Namen tragen wie „Fleischbombe mit Ananas” und wühlt sich durch Kochbücher aus vergangenen Jahrzehnten. Meine Kollegin Mirjana Cvetkovic sprach mit dem Sternekoch auch über Corona und seine Erkenntnisse (das Interview finden Sie Freitag in Print und in der Digitalausgabe). Eine dürfte vielen von uns bekannt vorkommen: „Ich habe gemerkt, dass Pasta und Rotwein unfassbar gut für das Herz sind. Und deshalb mache ich jetzt Intervallfasten.“
Wir hoffen, dass das bald nicht mehr nötig ist. Weil wir Rotwein und Pasta nicht mehr im stillen Kämmerlein, sondern mit Freunden im Restaurant genießen. Die Impfkampagne schreitet voran, aktuell liegt die Inzidenz für die Region Hannover bei 138,8 - Grund,optimistisch nach vorne zu schauen! Und weiterhin jeden Donnerstag über „Neues aus der Gastro-Branche” zu berichten.
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Bleiben Sie gesund und munter!
Andrea Tratner
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