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So reisen wir jetzt nach Tunesien und Peru

Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover

Liebe Leserinnen und Leser,
würden Sie der deutschen Januar-Tristesse gerne entfliehen? Nach Tunesien reisen, nach Thailand, Israel oder Peru? Zumindest kulinarisch ist das möglich. Das Ersatzprogramm für Genießer mit Fernweh liefern Sarah und Nils Röder. Das Ehepaar betreibt in Linden-Mitte die Kochschule „Minzblatt Catering“. Statt in fröhlichen Runden gemeinsam „Arabische Mezze“ zuzubereiten oder Grillabende namens „Die Flamme küsst das Fleisch“ zu veranstalten, packen sie seit April 2020 exotische Zutaten in Kisten und fahren den Genuss mitsamt Kochanleitung zu ihren Kunden. Die Kochboxen halten das kleine Familienunternehmen über Wasser.
„Als klar war, dass wir keine Kochkurse mehr anbieten können, kamen wir auf die Idee, unsere Kurse zu den Menschen nach Hause zu schicken“, sagt die Online-Marketingmanagerin. Jeden Freitag werden brandneue Boxen ausgeliefert und die bringen die Aromen der ganzen Welt in die Küchen von Hannover. Zusammengestellt werden die Rezepte von Menschen mit Wurzeln in den jeweiligen Ländern. „Wir arbeiten mit Kochexperten aus Tunesien, Israel, Indien, Peru, Thailand, Deutschland, Italien, Ungarn und Marokko zusammen“, zählt Sarah Röder auf. Und betont: „Man braucht nur eine normale Küche mit Töpfen und Pfannen, alles andere steckt in der Box, inklusive Salz oder Öl.“
Zu 95 Prozent sind die Zutaten nachhaltig verpackt. Bis zu 15 Gewürzsäckchen können für ein Rezept benötigt werden. „Dann zündet ein Duft-Feuerwerk, wenn man die Box öffnet“, sagt die Unternehmerin. Und das entführt uns explosionsartig in die weite Welt. Günstiger als ein Überseeflug sind die Kochboxen auch: Eine Kiste für zwei Personen kostet 35 Euro, für jede weitere Person zahlt man 15 Euro.
Weckgläser - was für eine aufgeweckte Idee

Wer nicht selber kochen möchte, kann überall in der Stadt die vielen Take-away-Angebote von Hannovers Wirtinnen und Wirten nutzen und die Branche unterstützen. Immer mehr Gastronomen machen sich dabei Gedanken über die Verpackung ihrer Speisen – sei es aus nachhaltigen oder Haltbarkeitsgründen. Maike Psarreas vom „Peanuts“ in der List verkauft vegane Suppen und Biofleisch wie zu Omas Zeiten – in Weckgläsern nämlich. Drei Euro Pfand nimmt sie pro Glas, „und bisher sind alle zurück gekommen.“ Unterstützung bekommt sie von Ehemann Maurice und Sohnemann Konstantin. Antonio Colantuono, der seit 1988 sein italienisches Restaurant „Paladino“ an der Walsroder Straße betreibt, bietet Saltimbocca und Co. heiß zum Mitnehmen oder küchenfertig vakuumiert an. „Dann hält es locker drei Tage im Kühlschrank – und hat kein bisschen Aroma verloren“, verspricht der 63-Jährige (zum ganzen Artikel geht es hier). Vor allem vor den Feiertagen waren seine Stammgäste dankbar für dieses vorausschauende Angebot. Und Colantuono konnte auf diese Weise alle Vorräte des Restaurants retten, als im November der zweite Lockdown kam.
Die kluge Kalkulation von Fräulein Schlicht

Die zweite Schließung ihres Cafés fiel Johanna Schlicht leichter als die erste. „Es ist nicht mehr alles neu. Wir haben einen Plan“, sagte die Leiterin des Cafés „Fräulein Schlicht“ im Interview mit meiner Kollegin Luisa Verfürth. Wie im ersten Shutdown verkauft sie ihre Frühstücke „Lindener Berg“ und „Pariser Platz“ und den beliebten Avocado-Mohn-Kuchen mit Kokos-Beeren-Creme am Eingang ihres Cafés an der Davenstedter Straße. In ihrem Hofgarten hat sie eine Überdachung gebaut, für den Platz vor dem Café ist eine Markise bestellt. Schlichts kluge Kalkulation: „Wir glauben, dass die Leute doch lieber draußen sitzen werden, wenn es wieder losgeht.“
Wenn es wieder losgeht. Das klingt mindestens so exotisch wie Pita gefüllt mit Humus, Tahinsauce, gebratenen Auberginen und Kichererbsen-Falafel. Das Rezept für die israelische Spezialität könnten Sie erhalten, wenn Sie beim „Minzblatt Catering“ eine Kochbox bestellen. Vielleicht machen ein paar Freunde das gleiche und Sie veranstalten per Videokonferenz eine gemeinsamen Kochparty. Eine Weile werden wir schon noch kreative Wege suchen müssen, um der deutschen Winter-Tristesse zu entkommen.
Mit welchen Rezepten gelingen Ihnen die kleinen Fluchten? Schreiben Sie uns gerne, mit welchen Take-away-Angeboten Sie sich verwöhnen oder welche Lokale Köstlichkeiten bis an die Haustür liefern - einfach eine kurze Mail an gastro@neuepresse schicken. Denn wir möchten jede Anstrengung und jede Idee unterstützen, mit der unsere Gastro-Szene diese harte Prüfung meistert.
Bleiben Sie frohen Mutes – bis nächsten Donnerstag!
Julia Braun
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