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Von der Rückbesinnung auf menschliche Werte

Liebe Leserinnen und liebe Leser, wir wünschen Ihnen heute besonders besinnliche Weihnachten. Außerde
Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
wir wünschen Ihnen heute besonders besinnliche Weihnachten. Außerdem Gesundheit, viel Geduld und die Gabe, den Zeiten etwas Gutes abzugewinnen.
So wie Sascha Grauwinkel. Der Chef der Schlossküche in Herrenhausen und des „Grauwinkel Café & Deli“ an der Bödekerstraße wünscht sich zu Weihnachten, „dass die Menschen weiter zusammenhalten“. Er erlebt viel Solidarität in seiner Branche. „Wir fragen uns täglich: Wie geht es den Kollegen, den Lieferanten? Wie kann man sich helfen?“ Grauwinkel beobachtet eine Rückbesinnung auf menschliche Werte und hofft, dass sich daran auch nichts ändert, wenn der Impfstoff wirkt. An den Festtagen freut er sich auf dieses Festmahl mit der Familie: Rinderfilet, Kartoffelgratin, Wirsinggemüse und sächsischen Stollen von der Mama.
Felix Förster vom „Duke“ hat weiterhin drei Filialen geöffnet, vom Weißekreuzplatz und der Langen Laube aus wird geliefert, in der Südstadt kann man Burger abholen. Das Geschäft läuft so gut, dass er alle Mitarbeiter in der Arbeit halten kann: „Wer nicht kochen kann, fährt aus.“ Trotzdem ist sein Wunschzettel nicht leer. Er möchte wieder ein richtiger Gastgeber sein können. „Ich wünsche mir, dass Menschen in meine Läden kommen, sich hinsetzen, in ihren Burger beißen und glücklich lächeln.“ Und was steht auf seinem Menüplan für die Feiertage? „Gänsekeulen und Raclette.“
„Gesundheit für meine Gäste und mich.“ Nichts anderes wünscht sich in diesem Jahr Pothiti Herbst. Die Chefin vom „Rossini Bistro“ an der Roscherstraße wird auch den Heiligen Abend und den 26. Dezember in ihrem Lokal verbringen und all die bestellten Menüs vorbereiten. Aber am ersten Feiertag wird groß gekocht: „Es gibt Chicorée-Schiffchen mit Garnelen, Rehrücken mit Polenta und weißen Trüffeln und zum Abschluss Walnuss-Parfait mit Zwergorangen.“

Der große Run auf die Gänse-Menüs

Man muss sich eben was gönnen können in schweren Zeiten. Das sehen etliche Hannoveraner so: Der Ansturm auf die Gänse- und Entenmenüs zahlreicher Gastronomen ist immens, wie mein Kollege Christoph Dannowski erfuhr. Dieter Grubert vom „Titus“ in Döhren musste schon Mitte Dezember Annahmestopp verkünden, Christoph Elbert vom „11a“ in Linden sagt: „Ich bin seit 42 Jahren in der Gastronomie, aber so eine Flut von Bestellungen hat es noch niemals gegeben.“ Wem außerdem das „gans“ große Geschäft gelang, lesen Sie hier.
Berührendes Feedback der Gäste

Auch diese Geschäftsidee hat sich rentiert. Mirjam Claus leitet das „Loretta’s“ am Maschpark und packt derzeit täglich ihre „Loretta’s-Boxen“. Gäste holen sich die festlichen Holzkisten ab (44 Euro für zwei Personen) und schlemmen daheim Parmesansüppchen, Antipasti, Tagliatelle und Apfelkuchen. Dadurch entstehe auch ein Dialog, sagte Claus meiner Kollegin Luisa Verfürth. „Viele schicken uns Fotos, wie sie das Essen zuhause anrichten und den Tisch dekoriert haben. Das geht mir immer sehr nah.“ Hier lesen Sie das ganze Interview mit der Wirtin.
Bilder von stillen Nächten in Restaurants

Seine Bilder gehen zu Herzen. Unser Foto-Kollege Michael Wallmüller hat Veranstalter und Gastronomen in ihren leeren Kneipen, Konzerthäusern und Restaurants fotografiert. „Still“ nennt er schlicht die beeindruckende Portrait-Reihe. Bei seiner Arbeit traf er auf viele Emotionen, wie er meiner Kollegin Andrea Tratner berichtete. „Nur wenige haben resigniert“, konnte Michael Wallmüller beobachten. Aber fast jeder Betroffene sei „genervt vom Hin und Her der Politik“.
In der List kochen sie für Kämpfer

Umso wichtiger sind Solidarität und die Rückbesinnung auf menschliche Werte, wie es Sascha Grauwinkel formulierte. Beispielhaft dafür steht die Aktion „Kochen für Kämpfer“. Am ersten Feiertag spendieren Thomas Immenroth vom „Mon Bonheur“ sowie Frank Ochotta und Ronny Spaniel vom „La Rock“ ein kleines Menü für Obdachlose, die in Corona-Zeiten umso mehr mit dem Leben auf der Straße zu kämpfen haben. Von 17 bis 20 Uhr gibt es an der Voßstraße Kürbissuppe, alkoholfreien Punsch, Stollen von Kreipe und einen weihnachtlichen Schokokuchen im Glas.
Ob Sie nun selbst am Herd stehen oder bei Ihrem Lieblingsrestaurant ein Menü bestellt haben: Wir wünschen Ihnen ein genussreiches Fest. Das zweifellos weniger hastig und hektisch ausfallen wird als jemals zuvor. Könnte eine Chance sein, den Zeiten etwas Gutes abzugewinnen.
Und wie immer gilt: Haben Sie Fragen oder Anregungen, dann melden Sie sich per Mail an gastro@neuepresse.de
Bis nächsten Donnerstag!
Julia Braun
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