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Warum nicht nur das Regel-Chaos schwindelig macht

Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Gastronomen taumeln durch diese Tage, vielen wird schwindelig vom Tempo der Regel-Änderungen. Sicher war es gut gemeint, als die Politik von 2G plus wieder auf 2G für Getestete und Genesene schwenkte. Sie sollen ab 11. Dezember Restaurants und Bars ohne tagesaktuellen Test besuchen können, wenn die Wirte und Wirtinnen nur 70 Prozent ihrer Plätze anbieten.
Doch Ferdi Simsek ist damit nicht geholfen. Der Gastronom, der unter anderem das „Lokal 4" und das „Steakhouse Lindenblatt" führt, beschreibt fatale Folgen des Regel-Kuddelmuddels. „Wir sind verunsichert. Und die Gäste sind verunsichert. Diese neue Regel hilft uns überhaupt nicht!“
Die Gastronomie als Seismograf der Krise: Bei jeder neuen Verordnung spüren er und sein Team augenblicklich die Auswirkungen. „Viele haben richtig Angst und verzichten wieder komplett auf Kontakte. Andere möchten, dass wir bei 2G plus bleiben, weil sie sich sicherer fühlen. Und wieder andere sind gegen jede Vorschrift.” Die Konsequenz sei die gleiche: „Die Leute bleiben weg.“
Darum wäre Ferdi Simsek für einen Lockdown. Ich habe fast 80 Mitarbeiter, wie soll ich die denn bezahlen?” Von der neuen Regierung fordert er ein Rettungspaket für die Gastronomie. „Das haben wir jetzt nötiger als letztes Jahr. Es ist wirklich ein Notfall, also brauchen wir Notfall-Maßnahmen.“
Auch Christine Nardien von Meiers Lebenslust” am Aegi hat das heillose Durcheinander" satt. Ich bin so stinksauer wie nie zuvor. Wir fürchten uns vor jeder neuen Runde im Landtag, die solch unausgegorenes Zeug zu Tage fördert", sagte sie meinem Kollegen Christoph Dannowski. Dessen Umfrage ergab aber auch, dass andere Gastronominnen und Gastronomen die Rückkehr zu 2G in diesem Winter als Hoffnungsschimmer sehen.
Ihm wiederum reichte es, als die Landesregierung zuvor 2G plus für Restaurant-Gäste angeordnet hatte: Frederick Schäfer führt das „Rodizio Baumhaus" in Langenhagen. 2G plus führte bei ihm wie bei vielen aus der Branche zur Absage-Flut von Weihnachtsfeiern. Kurzerhand flog Schäfer mit Familie in seine zweite Heimat Namibia, führt die Geschäfte von dort weiter (die ganze Geschichte lesen Sie hier). „Ich musste weg aus Deutschland", sagt er, „ich fühle mich von der Politik total im Stich gelassen.“
Andere versuchen, mit kreativen Ideen durch die unvorhersehbaren Zeiten zu kommen. Vor dem Café Lohengrin haben die Betreiber ein kleines Hexenhaus aufgebaut, es festlich geschmückt und schenken nun Hexenpunsch aus. Und auch Neueröffnungen gibt es immer wieder: Ab dem 10. Dezember kann Hannover bei „Peter bringt’s” an der Langen Laube 6 bestellen. Gäste können in dem Lokal (vormals „Backwerk") essen, es gibt die Menüs to go - oder sie werden mit E-Bikes in einem Radius von zwei bis drei Kilometern ausgeliefert. „Unser Konzept ist krisensicher", sagt Fachbereichsleiter Paul Warman. Ob das auch für den Burgerladen „Haftis" von Rapper Haftbefehl gilt? Die Eröffnung an der Lister Meile wurde jedenfalls gerade vom 9. auf den 17. Dezember verschoben.
Was hilft in der Krise? Mancher ist der Meinung, ein kleiner Schnaps könnte zumindest nicht schaden. Wer lokalpatriotisch anstoßen möchte, kann sich eine von 101 limitierten und durchnummerierten Flaschen „Punkerbraut" besorgen. Die Brauerei „Nordstadt braut" hat diesen Bierbrand auf den Markt gebracht, verkauft ihn exklusiv freitags von 17 bis 19 Uhr in der Bodestraße (neben dem Polizeirevier). „Während des Lockdowns stand unser Bier im Lager und drohte abzulaufen", sagt Gründungsmitglied Stefan Möller. Also tat man sich mit der Obstbrennerei Lister Destille zusammen, die das „Pils 30167" in einen edlen Brand verwandelte. „Schmeckt wie ein weicher und guter Grappa", so Möller über den Schnaps, der unter dem Label „Nordstadt brennt" läuft.
Da wünscht man sich fast, das schwindelige Gefühl dieser Tage käme nicht vom Regel-Karussell, sondern von der milden „Punkerbraut". Schreiben Sie uns, wenn Sie Hinweise oder Fragen haben (gastro@neuepresse.de) und bleiben Sie gesund.
Bis nächsten Donnerstag!
Julia Braun
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