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Warum Wirte sich gerade wie im Lockdown fühlen

Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
der Dezember ist ein Genussmonat. Eigentlich. Vor Weihnachten trifft man sich in geselligen Runden mit Kollegen und Freunden, bummelt über Adventsmärkte, stärkt sich auf Shoppingtouren in der City mit einem Abstecher im Café. Doch im zweiten Corona-Winter ist (mal wieder) alles anders. Vor genau einem Jahr waren wir mitten im Lockdown, der mit seinen Einschränkungen bis ins Frühjahr 2021 dauern sollte - Restaurants, Bars und Diskos waren damals dicht. Jetzt ist alles offen - zumindest theoretisch. Da seit 1. Dezember aber auch Geimpfte und Genesene für den spontanen Kaffee im Warmen oder die Feierabend-Pizza bei Italiener nebenan ein offizielles negatives Testergebnis vorweisen müssen, bleiben die Lokale ziemlich leer. Zumal die Warteschlangen vor den Testzentren ewig lang sind, Termine knapp werden.
„De facto haben wir schon einen Lockdown", sagt Jörg Lange, Vorsitzender des Kreisverbandes der Dehoga über 2-G-plus. „Nur werden wir nicht dafür bezahlt.“ Denn die massiven finanziellen Verluste würden bislang nicht mit staatlichen Hilfen aufgefangen. 20 Wirtinnen und Wirte hatten sich Anfang der Woche in Ferdi Simseks „Lokal 4” an der Goseriede getroffen, um sich auszutauschen. Ein Krisengipfel, über den meine Kollegin Verena Koll berichtet hat (den ganzen Text finden Sie hier). Tenor des Treffens: Angesichts stornierter Weihnachtsfeiern und einbrechender Umsätze macht sich Verzweiflung breit. „Da ist langsam keine Leidenschaft mehr, nur noch Leiden. Das macht uns kaputt", sagt Roger Prinz, der das „Ron & Rogers" am Engelbosteler Damm leitet. „Das größte Problem ist die Perspektivlosigkeit", bringt es Simsek auf den Punkt.
Perspektiven im Advent, ein bisschen Hoffnung und Weihnachtsstimmung - das brauchen wir alle dringend. Anna Lina Bartl gibt ihr Bestes: Am Schmuckplatz in Linden-Nord öffnet Sie an den Wochenenden bis Weihnachten jeweils Freitag bis Sonntag von zehn bis 18 Uhr einen Weihnachtsbasar in der Eisdiele „Nice-Zeit". Die macht gerade Winterpause, die Betreiberin des kleinen Cafés „Mulembe" in Limmer übernimmt. Bartl hat Designerinnen und Kunsthandwerker zusammengetrommelt, die ihre Arbeiten anbieten - von Schmuck und Grafik bis zu handgefertigten Wärmflaschenhüllen aus mongolischer Wolle.
„Wir sind die Weihnachtswichtel", sagt die Frau, die neben Waffeln, Kinderpunsch und veganen Kuchen auch ihren „Mulembe"-Kaffee verkauft. Die Bohnen bezieht sie von Bauern am Mount Elgon in Uganda, fünf Euro vom Preis für ein Kilo Kaffee gehen direkt in Entwicklungsprojekte vor Ort. Das gilt auch für die „Weihnachtsedition". Über den QR-Code auf der Packung gelangt man zu einem Weihnachtslied, das ugandische Kinder aufgenommen haben. Fröhliche Stimmen, lautes Klatschen, mitreißender Rhythmus. Und da ist der Funke Weihnachtsstimmung!
In 22 Tagen ist Heiligabend. Höchste Zeit also, sich Gedanken über das festliche Mahl zu machen. Das könnte in Zeiten von Klimakrise und Nachhaltigkeits-Diskussionen ja vielleicht anders ausfallen, als in den vergangenen Jahren. Nicole Rösler hat im Auftrag der Stadt Hannover ein kleines E-Rezeptbüchlein zusammengestellt (hier geht’s zum Gratis-Download), in dem Köchinnen und Köche Gerichte vorstellen, die saisonal und regional sind - nach dem Motto „Iss, was um die Ecke wächst". Fabian Bückner vom „Hoflokal" im Zoo stellt Grünkohl als Salat vor, „Backwerk" aus der Südstadt verrät das Rezept für leckeres Walnussbrot, „Beans’s Country" aus der Wedemark steuert Lammkotletts mit Branntweinsauce und Süßkartoffelpüree bei. Mehr erfahren Sie in der Sonnabendausgabe der NP.
Weihnachten im zweiten Corona-Winter. Hannovers Gastronomie kämpft ums Überleben, die kommenden Wochen sind nicht nur für das Pandemie-Geschehen in der vierten Welle entscheidend, sondern auch für die Zukunft einer kompletten Branche. Immer donnerstags informieren wir Sie im Newsletter über „Neues aus der Gastroszene". Haben Sie Tipps, Anregungen oder Kritik? Einfach eine Mail schreiben an gastro@neuepresse.de
Bleiben Sie gesund!
Andrea Tratner
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