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Was der Open-Air-Gastronomie zu schaffen macht

Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Corona, so die Beobachtung einiger Gastronomen, hat die Menschen abgehärtet. Heiko Heybey, der unter anderem die Beachbar Strandleben betreibt, freut sich auch bei dem aktuellen Wechselwetter über zahlreiche Gäste. „Die flüchten nicht gleich, wenn mal ein Tropfen fällt.“ Und wird der Abend kühl, werden Pullis und Decken ausgepackt.
Alle wollen nach draußen”, sagt Heybey, der sich über den Sommer nicht beklagen will - aber über etwas anderes. „Ich verstehe nicht, warum die Testpflicht für Innenräume so schnell abgeschafft wurde", moniert der Gastronom, der die steigende Inzidenz „äußerst problematisch" findet. „Es wurde gerade zur Routine, sich regelmäßig testen zu lassen, es ist für jeden gratis und verleiht Sicherheit. Warum macht man so nicht weiter?“ Die Lockerungen für Clubs, die offenbar viele Infektionen nach sich zogen, hält er für eine „Katastrophe”. „Wenn das so weitergeht, versauen wir uns den Herbst", befürchtet Heybey.
Die Angst vor neuen Restriktionen: Langsam wird sie spürbar. „Wenn wir ab einer gewissen Inzidenz wieder um 23 Uhr schließen müssen, werde ich irre", sagt Michael Rüger von der Beachbar „Schöne Aussichten". „Wir brauchen die Umsätze jetzt im Sommer, wer weiß schon, was der Winter bringt?“ Auch ihn macht die Öffnung der Clubs fassungslos. „Wir reduzieren hier die Plätze, achten auf Abstände, lassen nur so viele Leute auf das Dach wie Stühle zur Verfügung stehen. Aber das nützt ja nichts, wenn die Menschen in den Diskos eng an eng tanzen.” An einen erneuten Lockdown mag Rüger, der auch das „Kuhnstwerk" und das „Tenshi" führt, gar nicht denken. „Dann sind wir bald pleite.“
Open-Air-Gastronomie in Pandemie-Zeiten - sie stellt die Betreiber vor viele Herausforderungen. Christiane Hausleiter vom „Dornröschen” hadert mit der Zuverlässigkeit der Wetterdienste. „Wie wir es machen, machen wir es falsch", bilanziert die Gastronomin. „Stehen wir hier mit zehn Leuten, drehen wir Däumchen, weil das Wetter viel schlechter ist als angekündigt.“ Und arbeite sie mit einer kleinen Mannschaft, sei der Garten plötzlich voll. „Personalplanung zu machen, ist gerade katastrophal.”
Doch auch sie bestätigt die Robustheit der Hannoveraner. „Viele lassen sich vom Wechselsommer nicht beeindrucken. Auch wenn es kalt ist, gibt es mindestens ein hartgesottenes Grüppchen, das standhaft bleibt.“
Wie standhaft bleibt Hannover? Segeln wir gerade in die vierte Welle? Führen die aktuellen Lockerungen schon bald zu neuen Einschränkungen? Und wann wird’s mal wieder richtig Sommer? Planungssicherheit ist für die Gastroszene existenziell. Das Wetter können wir nicht planen. Diskoöffnungen schon. Wir sollten in diesem zweiten Corona-Sommer nicht aus den Augen verlieren, was wir selbst in der Hand haben.
Geben Sie weiterhin auf sich acht und kommen Sie gesund durch die Woche. Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns einfach eine Mail an gastro@neuepresse.de
Bis nächsten Donnerstag!
Julia Braun
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