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Was kommt nach 25 Jahren "böser Wolf"?

Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
im Februar wäre normalerweise die große Feier über die Bühne gegangen: 25 Jahre …und der böse Wolf" in Linden Mitte. Die Kult-Kneipe (die außerdem ein offiziell gesegneter buddhistischer Tempel ist) mit ausgezeichneter thailändischer Küche wird demnächst wieder öffnen. Er steht dann aber nicht mehr hinter dem Tresen: Jan Verhagen (62) hat das Lokal endgültig an seine frühere Mitarbeiterin Katariya „Kat" Schacht übergeben. Die große Jubiläums-Party fällt auch nach Lockdown-Ende aus. „Solche Gelegenheiten kann man nicht nachholen", sagt der Ex-Wirt, der sich neu orientiert.
Dieses Wochenende absolviert er die letzten Seminare seiner Fortbildung zum Deeskalations-, Antirassismus- und Antiextremismus-Trainer, Zertifikate als Sucht- und MPU-Berater hat der 1,98-Meter-Hüne mit der bewegten Vergangenheit schon. Ein krasser Kurswechsel? Irgendwie nicht. „Ich begleite schon seit 15 Jahren Freunde durch die medizinisch-psychologische Prüfung, wenn sie den Führerschein abgegeben mussten.“ Dabei gehe es gar nicht um Tricks und Kniffe. „Ich will den Leuten helfen, über sich selber nachzudenken”, sagt der Ex-Wirt, der zur eigenen Alkoholabhängigkeit steht und seit zwei Jahren keinen Tropfen mehr trinkt.
Der erste Lockdown im März 2020 sei der Moment für ihn und seine Frau Claudia gewesen, um innezuhalten. „Wir hatten acht Wochen lang den Blick von außen, die Corona-Zwangspause hat uns gut getan", sagt er im Rückblick. Den Kleingarten am Lindener Berg hat das Paar schon seit 20 Jahren, jetzt hat Verhagen auch Hochbeete gezimmert, zieht Zucchini, Kohlrabi und Kräuter, Gattin Claudia unterrichtet schon seit Jahren Yoga.
Andere gestalten so ihr Rentner-Idyll, der 62-Jährige will nochmal mit neuen Projekten durchstarten, mit Heranwachsenden an Themen wie Mobbing und Extremismus arbeiten. Da kann er aus eigenen Erfahrungen schöpfen: „Ich war ein schwieriger junger Mann", sagt er über die 1970er Jahre, im „Deutschen Herbst" hat er im extrem linken Spektrum der Gesellschaft mitgemischt. Auch in Sachen Deeskalation kennt er sich aus: „Das habe ich 25 Jahre im ,Wolf’ geübt.“ Neulich war er mal wieder im coronabedingt leeren Lokal. Und stellte fest: „Ich bin emotional nicht mehr dabei. Es war Zeit für den Wechsel.”
Veränderungen. Sie gehören zum Prinzip der „Me and all"-Hotelkette, deren schickes neues Hannover-Haus am Aegi mitten in der Pandemie eröffnet wurde. Die Küche eingeweiht hatte Ronny Spaniel vom „La Rock" mit einem Sommer-Gastspiel 2020, dann übernahmen Sascha Wehrhahn und Peter Kaßner mit ihrem „Nobel" für einige Monate - sein eigenes Lokal dieses Namens will Werhahn an anderer Stelle demnächst eröffnen. Ab 1. Juni weht wieder ein neuer Gastrowind im Hotel: Nihad und Maria Findik übernehmen bis Ende des Jahres, ihre mediterranen Spezialitäten kennt man aus dem Lokal „Mamas Tapas" an der Lister Meile.
Wechsel und Neustart, bewährte Konzepte und frische Ideen. Nach fast sieben Lockdown-Monaten erwacht hoffentlich demnächst auch die Innen-Gastronomie wieder zum Leben. Die Inzidenz müsste fünf Tage am Stück unter dem Wert 50 bleiben. Und noch einen Vorteil hätte diese Corona-Prognose: Biergärten und Außengastronomien dürften für ihre Gäste ohne Nachweis von negativem Schnelltest, doppelter Impfung oder maximal sechs Monate zurückliegender Covid-19-Infektion öffnen.
Wir drücken die Daumen, dass dieser Newsletter nächsten Donnerstag mit dieser Erfolgsmeldung aufwarten kann. Bis dahin gilt: Haben Sie Anregungen, Ideen oder Kritik - einfach eine Mail an gastro@neuepresse.de schreiben!
Ich wünsche eine genussvolle Woche!
Andrea Tratner
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