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Welche Geschichte steckt hinter dem neuen Lokal „Tru Story"?

Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
es ist Gründonnerstag und um 22 Uhr bläst Regionspräsident Hauke Jagau zum Zapfenstreich. Sperrstunde. Das ist ein Wort, an das man sich noch erinnert aus der Zeit, als Lokale noch öffnen durften und die Bedienung am Tresen zur letzten Bestellung drängte - zur Sicherung der Nachtruhe. Ausgangssperre. Daran müssen wir uns über die Osterfeiertage gewöhnen, denn 1,2 Millionen Menschen in der Region Hannover dürfen ohne triftigen Grund zwischen 22 und 5 Uhr ihre Wohnung nicht verlassen. Die Ausgangssperre gilt (vorerst) bis 12. April - und wird im Leben vieler Menschen wahrscheinlich gar nicht so viel ändern. Denn Theater und Kinos sind seit Monaten dicht, die Lieblingsrestaurants geschlossen. Bringdienste sind die Lichtblicke im Alltag des Corona-Lockdowns. Und wir freuen uns immer über neue Lichtblicke!
„Es gibt keinen falschen Zeitpunkt, um etwas Neues zu starten", findet Ngoc Duc Nguyen. Den Chef der „Probierbar", mit der er Ende Oktober 2020 von der Limmerstraße in die „Leinery-Lounge" in der Altstadt zog, kennen viele in Linden unter dem Spitznamen „Nucki". Sein neues Projekt heißt „Tru Story". Das Lokal dazu schmiegt sich in die Arkaden der Blumenauer Straße gegenüber des Ihmezentrums, ist aber immer noch eine Baustelle. Das ist aber auch nicht so wichtig, was in diesen Tagen zähle, seien Logistik, Digitalisierung, ein Netzwerk vor Ort und über Social Media. „Für viele Wirte ist das ein Hindernis", glaubt der 33-Jährige, der mit dem Lokal aber auch eine Geschichte erzählen will.
Die „wahre Geschichte" über authentische vietnamesische Hausmannskost. Und die Geschichte seines Vaters Tru, der Anfang der 80er als einer der vielen tausenden „Boatpeople" auf der Flucht vor dem kommunistischen Regime in Nordvietnam in Deutschland Schutz fand. „Wir wollten nie einen Bringdienst machen", sagen die Nguyens über das Familienprojekt. Sie machen das Beste daraus. Und überraschen mit ihrem Lieferdienst mit Gerichten wie „Banh Mi" (ein Sandwich mit Leber-Paté, Koriander und eingelegtem Rettich) oder „Banh Xeo" (eine Art Omelette), die man von üblichen asiatischen Speisekarten nicht kennt.
Fotodokumentation „Still" über leere Lokale

Leere. Stille. Verlorenheit. Das sind die Gefühle, die Hannovers Wirtinnen und Wirte seit Anfang November kennengelernt haben. Kein Gläserklirren am Tresen, kein Stimmengewirr, geschweige denn Live-Musik oder Partystimmung. NP-Fotograf Michael Wallmüller hat in seinem Fotobuch „Still" beeindruckende Porträts dieser bleiernen Zeit veröffentlicht. Auf dem Cover: Kosta Paraskevaidis, der in seinem dunklen „Rembetiko" nachdenklich auf seinem Smartphone scrollt. Checkt er Inzidenzwerte, neue Verordnungen, die Formulare für staatliche Hilfen? „Am Anfang dachten wir alle, der Lockdown ist im Dezember wieder vorbei", erinnert sich Michael Wallmüller an die ersten Bilder, aus denen eine Serie entstehen sollte. „Ich wollte nicht tatenlos bleiben", sagt der Fotograf, dem selber viele Aufträge wegbrachen. Entstanden ist eine Fotodokumentation, mit der Wallmüller Menschen aus der Gastronomie wissen lassen will, „dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein sind".
Das leergefegte „Capitol", das verlassene „Jack the Rippers", Ecki Reimann alleine im „P'tit Clichy". Die Stimmung in mehr als 60 Restaurants, Kneipen, aber auch Kinos und Theatern hat der 33-jährige Fotograf eingefangen. Für 25 Euro kann man den Bildband in der Buchhandlung Leuenhagen & Paris (Lister Meile 39) kaufen und in vielen der abgebildeten Lokale erwerben, wenn man sein To-Go-Essen abholt. Und hoffentlich blättern wir im Sommer 2022 darin, blicken zurück und freuen uns, dass der Spuk vorbei ist …
Noch aber dauert er an. Ausgangssperre, Hochinzidenz-Regeln und Lockerungsmodelle werden uns in den nächsten Monaten begleiten. Wir begleiten Sie, liebe Leserinnen und Leser, weiterhin mit Neuigkeiten aus einer Gastro-Szene, die in Hannover trotz Krise nie ruht, sich immer wieder neu erfindet, kreative Wege und Lösungen findet.
Haben Sie Tipps für uns? Melden Sie sich gerne per Mail an gastro@neuepresse.de. Wir freuen uns über Anregungen und Kommentare.
Ich wünsche Ihnen ein schönes (und vor allem gesundes) Osterfest!
Andrea Tratner

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