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Wie die Gastro-Szene Appetit auf den Muttertag macht

Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover

 Liebe Leserinnen, liebe Leser,
was tun Hannovers Gastronomen morgens zuerst? Sie checken den Inzidenzwert der Region. Läge der, Simsalabim, am 10. Mai bereits seit fünf Tagen unter 100, dürften sie ihre Gäste wieder auf den frisch geputzten Terrassen begrüßen. Die Zahlen in Hannover sinken – endlich. Aber zu langsam, um beim niedersächsischen Startschuss dabei zu sein. Und jüngst ist eine zweite Instanz fast so schicksalhaft geworden wie die Corona-Inzidenz: der Wetterbericht. Wie soll man in einem kalten, stürmischen Mai Drei-Gänge-Menüs unter freiem Himmel planen?
Die Situation ist knifflig, tatenlos bleiben Hannovers Wirtinnen und Wirte aber nicht. Seit Beginn der Pandemie tun sie alles, um nicht den Kontakt zu ihren Gästen zu verlieren. In dieser Woche stehen sie in ihren Küchen und bereiten Muttertags-Menüs vor – so vielfältig und verführerisch wie nie.
Mit Spargelsalat an gebeiztem Maracuja-Lachs, Cremesuppe von der Erbse, Medaillons vom Serranoschwein und Schoko-Brownie mit Erdbeer-Ganache liefert zum Beispiel die „Alte Mühle“ gute Argumente, um ein Menü für Mama zu ordern. Parallel planen Wirtin Heike Bursch und ihr Team gewissenhaft den Tag der Biergarten-Öffnung. „Es wird ein Einbahnstraßen-System geben, sechs neue große Schirme, kleine Kaminöfen und Alternativen zur Kontakterfassung.“ Entweder füllen Gäste die bewährten Zettel aus oder sie registrieren sich per Luca-App. „Erst scannen, dann schlemmen“ - ein munteres Motto in Zeiten voller Zumutungen. „Leben kann man davon nicht“, sagt Heike Bursch. Aber sie wird öffnen, wenn es geht. Mit aller Vorsicht: Servieren werden nur die Mitarbeiter, die mindestens einmal geimpft sind.
Viele weitere Lokale bieten Muttertags-Specials. „Schuberts Brasserie“ ist dabei, das Gasthaus Müller in Göxe, der „Hafenblick Seelze“, das „Titus“, „Eliniko“ und „La Rock“. Und das „Emma“ von Ingo Welt in Langenhagen. Der alteingessene Wirt ist gebremst euphorisch, wenn er über die Öffnung seiner Außengastronomie spricht, aber er würde mitmachen. „Wir leben ja auch vom Kaffee- und Kuchen-Geschäft“, sagt Welt. „Und hier Platz zu nehmen und einen Cappuccino zu genießen, ist allemal stilvoller, als mit einem Pappbecher auf der Parkbank zu sitzen.“
Nächstes Corona-Opfer: die „Tiergarten-Schänke"

Im Biergarten des „Tiergarten-Schänke“ zu sitzen, wird auch dann nicht möglich sein, wenn Außenbereiche öffnen. Pächter Roman Jaenisch musste im April Insolvenz anmelden – nachdem er die „Schänke“ erst im Januar 2020 übernommen und 100.000 Euro investiert hatte. „Mir blutet das Herz“, sagte der Wirt meinem Kollegen Christoph Dannowski. Nach „Leisewitzstübchen“ und „Rackebrandt“ hat Hannover sein nächstes gastronomisches Corona-Opfer. Und es wird weitere geben. Laut Hotel- und Gaststättenverband steht jeder vierte Betrieb in Niedersachsen vor der Geschäftsaufgabe, berichtet meine Kollegin Mandy Sarti.
Kommt Hannover auf die Heuschrecke?

Michael Blautzik hingegen fängt gerade erst an. Der 31-Jährige möchte mit seiner Firma „Bugoo“ Lust auf gebackene Krabbeltiere machen. Er verkauft Heimchen, Heuschrecken und Mehlwürmer in Snacktüten und ist sich sicher: „Insekten sind die Nahrung der Zukunft.“ Demnächst wird er auf Hannovers Wochenmärkten Überzeugungsarbeit leisten.
Das möchte auch Heike Bursch von der „Alten Mühle“. „Ich hoffe von Herzen, dass sich die Menschen impfen lassen“, sagt die Wirtin. „Bitte macht alle mit, damit wir wieder normal leben können.“
Etwas Normalität verspricht zumindest die Wetterprognose: Es soll wärmer werden.
Kommen Sie gut durch diese stürmischen Zeiten. Schreiben Sie uns, wenn Sie „Neues aus der Gastroszene“ hören - einfach per Email an gastro@neuepresse.de Und genießen Sie den Muttertag.
Bis nächsten Donnerstag!
Julia Braun
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