Profil anzeigen

Wie die Gastro-Szene in die Zukunft investiert

Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover

Liebe Leserinnen und Leser,
es gibt sie noch, die guten Nachricht in der Corona-Pandemie. „Wir schauen optimistisch in die Zukunft", sagt Philipp Aulich vom Brauhaus Ernst August, zusammen mit Bruder Hannes hat er gerade eine große Investition getätigt. 75.000 Euro flossen in eine neue Abfüllanlage an der Schmiedestraße - damit auch in Zukunft das „Hanöversch" fließen kann. Und zwar zum Beispiel in kultige Fünf-Liter-Fässchen für private Veranstaltungen und Familienfeiern. Natürlich habe der Lockdown erhebliche Umsatzeinbußen gebracht, „aber die Nachfrage hat sich auf den Handel verlegt, wir sind happy über diese Zuwächse.“ Denn die belaufen sich auf immerhin 30 Prozent. Viele Stammgäste hätten dem Brauhaus die Treue gehalten, wussten das handwerklich gebraute, frische Bier zu schätzen. „Die Leute haben uns auch Fotos aus ihren Wohnzimmern geschickt”, freut sich Aulich. Dem Gastronomen geht da das Herz auf: „Das ist ein tolles Gefühl, ein Vertrauensbeweis.“
Doch auch im Brauhaus ist das Geschäft ja eigentlich das Bewirten von Menschen vor Ort. „Die Lage normalisiert sich langsam, aber uns fehlt natürlich das Publikum über die Region hinaus.” Ohne Messen, Großkonzerte, Firmentagungen komme das vorerst nicht zurück. „Wir brauchen Bewegung in der Stadt, der Radius müsste sich vergrößern.“
Dabei stoßen etliche Gastronomie-Betriebe schon jetzt an ihre Grenzen - und zwar an personelle Grenzen. Denn viele Minijobber, Studentinnen und Studenten haben sich im vergangenen Jahr umorientiert, Jobs im Handel oder in Impfzentren lockten mit besserer Bezahlung und geregelten Arbeitszeiten. „Die nächste Gastrokrise” lautete die Titelzeile über dem Bericht meines Kollegen André Pichiri. „Der Arbeitsmarkt ist leergefegt", erfuhr er von Dehoga-Geschäftsführerin Kirsten Jordan.
Nun hat aber fast jede Krise auch ihre positiven Seiten und bringt Veränderungen. Und dass in der Gastronomie ein Umdenken schon lange nötig war, will niemand bestreiten. Guter Service ist in der Branche überlebenswichtig, die Qualität der Speisen entscheidet über den Erfolg eines Lokals. Die Restaurants, Bars und Kneipen müssen nun im Kampf um kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reagieren. Und etwas bieten. Wie Bodo Lattwesen vom Biergarten Kaiserschänke, der notgedrungen Aushilfsjobs mit sozialversicherungspflichtigen Teilzeitkräften besetzt. „Das ist verbunden mit deutlich höheren Kosten", moniert der Wirt. Aber auch ein Zeichen von Respekt und Wertschätzung für die Kolleginnen und Kollegen.
Mit gutem Beispiel geht auch das „Hoflokal" im Zoo voran - der Betrieb wurde vom Dehoga-Bezirksverband als „Leuchtturm" ausgezeichnet, der die Arbeit in Küche und Service für Nachwuchskräfte wieder attraktiv macht - mit fairen Löhnen, Sonntagszulagen, Fortbildungsmöglichkeiten, Anerkennung. Eine Investition in die Zukunft. „Ich bilde hier meine Rente aus", sagt Küchenchef Fabian Bückner (die ganze Geschichte lesen Sie hier).
Wenn wir das nächste Mal im Lieblingsrestaurant sitzen und den Abend genießen oder in der Stammkneipe ein Bier bestellen, sollten wir diese Zusammenhänge im Hinterkopf haben. Und nicht gleich lospoltern, wenn die gestiegenen Lohnkosten sich auf die Preise niederschlagen sollten. Wer gerne Gast ist und guten Service liebt, freut sich auch über zufriedene Menschen hinter dem Tresen oder am Herd.
Immer donnerstags versorgt die NP Sie in diesem Newsletter mit Neuigkeiten aus der Gastro-Branche. Haben Sie Ideen, Tipps, Anregungen? Schicken Sie gerne eine Mail an gastro@neuepresse.de.
Bleiben Sie gesund und munter!
Andrea Tratner
Neu in Hannover: „Mana Bowls" bietet Poké-Gerichte aus Hawaii
Hannover: Wie gut ist das Ex-Piu Little Cortile an der Goethestraße
NP-Meinung: Mit guten Ideen zum Teambuilding
Ristorante Sud: Warum kann schnelle Küche nicht schmecken, Signore Becci?
Kritik an Schulverpflegung in Hannover: Zu fleisch- und fettlastig?
Hat Ihnen diese Ausgabe gefallen?
Teilen Sie diesen Newsletter:
Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr empfangen wollen, können Sie ihn hier abbestellen.
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde, können Sie ihn hier abonnieren.