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Wie die „Lieblingsbar" aus Corona neue Energie schöpft

Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
in der Gastro-Szene ist derzeit kollektives Aufatmen angesagt. Die Inzidenzzahlen sind niedrig, die Delta-Variante zeichnet sich erst am Horizont ab. Der scheinbar unendliche Sieben-Monate-Lockdown gerät fast ein wenig in Vergessenheit. Außer in den Restaurants, die die Pandemie nicht ohne Schaden überstanden haben (dazu später mehr!). Und in Gastro-Betrieben, die nun die Früchte ihres unermüdlichen Engagements ernten. Die „Lieblingsbar" in Herrenhausen gehört dazu.
Denn „Fizzz", eine Fachzeitschrift für Trend- und Szenegastronomie, hat das Lokal von Manuel Mauritz und Chi Trung Khuu als „Bar des Jahres" nominiert - bis 18. Juli läuft das Online-Voting, die starke Konkurrenz kommt aus Köln und Berlin. „Das ist perfekt", jubelt Manuel Mauritz. 2017 wurde die „Lieblingsbar" bei den „Mixology Bar Awards" unter die Top-5-Neueröffnungen in Deutschland, Österreich und Schweiz gewählt, zwei Jahre später gab es in Hannover die Auszeichnung bei der „Nacht der Gastronomie". Die „Fizz"-Nominierung sei „ein großer Sprung.“
Denn es gehe um das Konzept, das die „Lieblingsbar” aus der Corona-Krise geführt habe. „Projekte, Projekte, Projekte", zählt der 32-Jährige fröhlich auf. „Wir wollten aus der Pandemie lernen, gestärkt daraus hervorgehen.“ Und die 15 Auszubildenden in Küche, Service und Büro in dieser für sie wichtigen Lebensphase nicht in Kurzarbeit und Stillstand schicken. Eine Lernplattform wurde gegründet, ein Patensystem installiert, ein Online-Shop für Honig, Wein und andere Spezialitäten aufgebaut, die Balance zwischen Beruf und Familie (die in dieser Branche gerne mal ins Wanken gerät) gefunden. „Man muss den Beruf neu denken”, findet Mauritz, der selber eine siebenjährige Tochter hat. „Wir wollen junge Leute für Gastronomie begeistern.“
Zunächst muss die „Lieblingsbar” (im Lockdown ist sie laut Mauritz zur „Lieblingsfamilie" geworden) mit ihrem Konzept unter voting.fizz.de das Publikum begeistern - und Klicks für den Titel sammeln. „Die Gäste profitieren auch davon", freut er sich über die Ergebnisse der für ihn und sein Team gar nicht so bleiernen Lockdown-Zeit. In der Mauritz auch eine Entdeckung gemacht hat: Demnächst kommt der „Lieblings-Korn" auf den Markt - „mit Getreide von Bauern aus der Umgebung.“ Der nächste Getränke-Hype? Kann der Cocktail-Experte bestätigen: „Korn ist ein stark unterschätzter Drink.”
Die „Lieblingsbar" startet mit Elan in die sommerliche Corona-Pause, für andere hat das Virus den gastronomischen Schlussstrich gezogen. Nach 28 Jahren schließt Nino Pollicino sein „Da Vinci" in Döhren. Gestern war das Lokal an der Hildesheimer Straße 228 das letzte Mal geöffnet. „Corona hat ein Loch in unsere Seele und unser Herz gerissen", sagte Pollicino meiner Kollegin Verena Koll (den ganzen Text lesen Sie hier). Sein Vater Vincenzo war 1958 aus Neapel gekommen, brachte laut Familienlegende die Calzone nach Hannover. Sohn Nino war nun gezwungen, „die Notbremse zu ziehen.“
Licht und Schatten liegen in Pandemiezeiten nah aneinander. Über der „Olen Deele” in Burgwedel leuchtet kein Michelin-Stern mehr - das Lokal ist geschlossen, die Inhaber-Familie hatte schon im Corona-Winter beschlossen, sich zurückzuziehen. Auch die von Kritikern vielgelobte „Weinbasis" in der Lärchenstraße wird nicht wieder öffnen. Auf der anderen Seite startet Dieter Grubert mit seinen 64 Jahren neu durch - „Titus im Röhrbein" heißt sein mit 17 Punkten im Gault Millau dekoriertes Lokal, mit dem er an die Joachimstraße in der City gezogen ist. Auch „Handwerk", „Jante" und „Gasthaus Lege" haben sich nicht unterkriegen lassen. Hannovers beste Adressen zum Schlemmen: Die Übersicht über die Lokale, die in überregionalen Restaurantführern hervorragend abschneiden, finden Sie hier.
Wer erfindet sich neu, wagt den Weg aus der Krise, hat spannende Projekte am Start? Immer donnerstags um 12 Uhr bringt die Neue Presse Sie mit dem Newsletter „Neues aus der Gastro-Branche" auf Stand. Haben Sie Tipps und Anregungen? Schreiben Sie uns einfach eine Mail an gastro@neuepresse.de
Bis nächste Woche!
Andrea Tratner
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