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Wie gelingt der Neustart der Gastronomie?

Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
unglaublich, aber wahr: Nach sechseinhalb Monaten Lockdown meinen es die Inzidenzzahlen endlich gut mit Hannovers Wirtinnen und Gastronomen. Die Stadt, in der die zweite Welle fast nahtlos in die dritte übergegangen ist, hat dauerhaft die magische 100 unterschritten. Wer mag, kann heute Nachmittag also im Biergarten auf den Feierabend anstoßen - und das sogar mit zwei Personen aus einem anderen Haushalt. Die Sperrstunde fällt weg, nicht allerdings die Pflicht, für einen Cappuccino auf der Terrasse des Lieblingsrestaurants einen negativen Corona-Test, die doppelte Impfung oder die nicht länger als sechs Monate zurückliegende Genesung von Covid-19 vorzuweisen. Es hat keiner behauptet, dass Genuss in Zeiten von Corona einfach wäre …
Mal abgesehen davon, dass der Mai uns derzeit nicht gerade mit lauen Temperaturen verwöhnt - viele Betreiber schrecken davor zurück, gleich am ersten Tag der Lockerungen Vollgas zu geben. Phlipp Aulich zum Beispiel will den Außenbereich seines „Brauhaus Ernst August" erst dann öffnen, wenn auch die Innengastronomie wieder möglich ist. Auch Ralph Klemke von „Meiers Lebenslust" am Aegi hält sich noch zurück, will bis 1. Juni (und einer Inzidenz hoffentlich unter 50) abwarten. Denn durch die immer noch geltenden Abstands- und Hygieneauflagen bleiben nur 40 Außenplätze - „das ist zu unwirtschaftlich".
Zweigleisig fahren Heiko Heybey (Foto) und Dirk Sabrowski - ihre „Spandau"-Lokale in Süd- und Nordstadt bleiben weiter im To-go-Geschäft, das „Strandleben" an der Lindener Fährmannsinsel öffnen sie heute um 15 Uhr. Wer sich über die Luca-App registrieren lässt, kann im Liegestuhl Getränke und den Blick auf Ihme und Leine genießen. Meine Kollegin Mirjana Cvjetkovic und Lokal-Reporter Andreas Voigt haben noch weitere Konzepte hannoverscher Lokale abgefragt.
Auch Willi Vorlop macht das Beste aus der aktuellen Situation - und eröffnet Sonnabend die zweite Auflage des „Summer Gardens" auf dem Döhrener Schützenplatz. 2500 Quadratmeter, etwa 100 Tische, eine Beach-Fläche mit Sand und Strandkörben, eine LED-Wand für Spiele der Fußball-EM - „wir machen das jetzt professioneller als im vergangenen Jahr", erzählt der 33-Jährige aus Hemmingen, dessen Familie eigentlich mit drei Achterbahnen auf Volksfesten unterwegs ist. Eine Aussichtsplattform („für Erinnerungsfotos mit Blick aufs Grün") hat er sich ausgedacht, bleibt die Inzidenz dauerhaft unter 70 will er in Absprache mit dem Gesundheitsamt auch ein „Kinderland" mit Hüpfburg aufbauen. Etwas auf die Beine stellen - „das ist wichtig für die Moral der Mitarbeiter", sagt er über das Projekt. „Es ist nicht die Rettung, aber es hilft.“
Denn es sind Tage voller Ungewissheit, Hoffen und Bangen. Und auch Veränderungen stehen an. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) fürchtet, dass jeder vierte Betrieb kurz vor der Aufgabe stehe. So manches Lokal hat möglicherweise dauerhaft die Fenster abgeklebt oder die Leuchtreklame ausgeschaltet. Doch manchmal sind das auch die Zeichen für einen Neustart. Benjamin Busmann und Ferdi Simsek lassen vorerst ihre „Lindenblatt”-Burger-Bar in der Nikolaistraße und das Steakhaus „800 Grad" in der Altstadt geschlossen. „Wir arbeiten sehr personalintensiv, das lohnt sich für ein paar Außenplätze nicht - wir müssen wirtschaftlich denken", begründet Simsek. Doch was ist mit dem Stamm-„Lindenblatt" an der Limmerstraße, das derzeit definitiv verwaist und leergeräumt wirkt? Die genauen Pläne für das Projekt will Simsek noch nicht verraten - nur so viel: „Es wird eine positive Überraschung für Linden.“
Es sind spannende Zeiten für die Gastronomie in Hannover, wir werden den Neustart nach dem Corona-Lockdown weiter begleiten. In den Print- und Digitalangeboten der Neuen Presse. Und immer donnerstags um 12 Uhr mit diesem Newsletter. Haben Sie Tipps, Anregungen, Kritik? Einfach eine Mail an gastro@neuepresse.de
Bis nächsten Donnerstag!
Andrea Tratner
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