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Wie Hannovers Gastro-Szene über den Neustart diskutiert

Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Hannover, 13 Grad, 40 Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Eine Wetterprognose für den Himmelfahrtstag, die noch vor zwei Jahren bei Gastronomen und Wirtinnen bange Blicke in den Himmel und Unsicherheiten ausgelöst hätte. Vatertag, Urlaubsbrücke, Lust auf Tagesausflüge - das lange Maiwochenende wäre unter normalen Umständen (und gutem Wetter) ein Umsatzbringer. Doch leider ist immer noch nicht das Wetter, sonder die Inzidenzzahl entscheidend - und die kreist weiter munter um die magische 100. Die Menschen in Hannover scharren mit den Füßen - die Gastro-Szene auch!
Viele Wirte stehen in den Startlöchern. „Wir sind bereit, Christoph kann innerhalb von 24 Stunden was machen", sagt Verena Schindler über ihren Mann Christoph Elbert, mit dem sie zusammen fünf Lokale leitet. Für das „11a “ am Lindener Küchengarten gibt es dank des großen Biergartens eine Perspektive, die Bars „Ihmerauschen” und „Walk on the Wild Side", das Restaurant „Boca" und die Lister Institution „Plümecke" werden von den ersehnten Lockerungen aber nichts haben - „vor dem ,Plümecke’ ist der Bürgersteig nur 1,98 Meter breit". Das seien zwei Zentimeter zu wenig für Außengastronomie - und um die geht es bislang in der aktuellen Corona-Verordnung.
Was bringt die Zukunft für Hannovers Gastronomien? Wo kann die Politik helfen? Was erwarten Wirtinnen und Wirte? Die Fragen treiben nicht nur Verena Schindler um. Immer sonnabends um 17 Uhr kann man reinhören, wie engagiert über solche Themen in „Clubhouse" diskutiert wird. Über die App (bislang exklusiv für Iphones, eine Beta-Version für Android ist gerade erschienen) kann man im Chatraum „Feed your head" der „11a"-Macher Positionen austauschen, Diskussionen anregen, Kontakte knüpfen. „Es hat sich ein lockerer Verbund aus Menschen aus der Gastro-Szene entwickelt", berichtet Schindler, „wir haben Themen gesammelt, die alle berühren.“
Auch Jörg Lange, Inhaber des Hotels „Lindenkrug” und Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes, hat sich bereits mehrmals in die Runde eingeklinkt. „Restart Gastro" ist für ihn das Schlagwort. „Die Diskussionen gehen in alle Richtungen: Fairtrade, Ausbildung, Wertschätzung der Gäste. Wir wollen gestärkt aus der Krise herausgehen.“ Und Unterstützung einfordern. Die Branche habe eine Stimme, der sich die Politik nicht entziehen könne, findet Lange. Gastronomie sei wichtig für die Gesellschaft - „und ein großer Wirtschaftszweig mit vielen Arbeitsplätzen.”
Noch. Schindler hat in vier Clubhouse"-Wochen im Kollegen-Austausch erkannt: Ein Problem haben alle gemeinsam - Personalmangel. Wir steuern auf einen Kollaps zu.“ Die Arbeit in Küche und Service sei wegen der engen Räume und der vielen Kontakte in Corona-Zeiten aufgrund der Infektionsgefahr nicht attraktiv - „und viele Lokale haben das Problem, dass sich die Leute in den langen Lockdown-Monaten längst andere Jobs gesucht haben.”
Ein Problem, mit dem sich Ingo Gembalies spätestens im Herbst beschäftigen wird. „Clubs haben als erste zugemacht, wir werden als letzte aufmachen", glaubt der 57-Jährige, der im Steintor-Viertel das „Rocker" betreibt. Sein legendäres „Heartbreak Hotel" in der Scholvinstraße hatte er im Januar 2020 aufgegeben, weil er und Lebensgefährtin Polli in Sachen Nachtleben kürzertreten wollten. „Ein Glück!“, sagt er im Rückblick. Zumal er als Ersatz ein anderes Herzensprojekt auf die Beine gestellt hat.
„Männer, Möbel und Motoren” heißt der schnuckelige Laden an der Hauptstraße durch Eldagsen, den er (sobald es die Inzidenzzahlen erlauben) mit Michael Malkus eröffnen will. Eine alte verstaubte Zündapp, historische Mofas oder aufpolierte Motorräder, dazwischen stilvolle Möbel im Vintage-Look, Schilder, Schätzchen aus alten Zeiten. Gembalies und Malkus teilen diese Leidenschaften. Den PS-starken Antiquitätenladen (mehr darüber lesen Sie Freitag in der Print-NP und im Digitalangebot) haben sie mit Bedacht in Eldagsen eröffnet - „das ist die Einflugschneise für Touren ins Weserbergland", erklärt Malkus, „hier kommen viele Oldtimer vorbei.“ Und die können sich auf einen neuen Treffpunkt freuen. „Wir machen hier auch einen kleinen Kiosk auf - mit kalten Getränken, Musik und bunten Tüten”, verspricht der frühere „Heartbreak-Chef". Einmal Gastronom, immer Gastronom.
Das erste Kaltgetränk im Biergarten, das Glas Wein oder der Cappuccino auf der Außenterrasse des Lieblingsrestaurants - fünf Werktage hintereinander muss die Inzidenz stabil unter 100 liegen, dann ist es soweit.
Vielleicht können wir ja schon nächsten Donnerstag im Newsletter die frohe Botschaft verkünden. Bis dahin freuen wir uns über Tipps, Anregungen oder Kritik - einfach eine Mail an gastro@neuepresse.de schreiben.
Genießen Sie den Himmelfahrtstag!
Andrea Tratner
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