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Wie nervös reagiert die Branche auf die zweite Welle?

 Liebe Leserinnen, lieber Leser, was tut sich in Hannovers Gastro-Szene? Diese Frage beschäftigt uns
Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover
Neues aus der Gastro-Szene in Hannover
 Liebe Leserinnen, lieber Leser,

was tut sich in Hannovers Gastro-Szene? Diese Frage beschäftigt uns jeden Donnerstag. Und in dieser Woche auch die Überlegung: Wie verkraftet die Szene die zweite Corona-Welle, die täglich heftiger auf uns zuschwappt und wieder beginnt, Existenzen zu bedrohen?

Dazu ein Blick in die Altstadt. Dietmar Engel leitet seit 17 Jahren das Café Konrad an der Knochenhauerstraße. „Wir sind sehr beunruhigt, hier herrscht gerade Totentanz.“ Im Frühjahr habe die Politik glänzend reagiert, „aber ich glaube nicht, dass wir noch einmal Mittel in der Höhe bekommen werden.“ Sein Nachbar Ferdi Simsek sieht es ähnlich. Im Juli hatten er und Benjamin Busmann nach fast zweieinhalb Jahren Umbau das „Lindenblatt 800 Grad“ eröffnet, „es wurde super angenommen.“ Jetzt kämen die ersten Stornierungen. „Wir arbeiten gerade an Ideen und Alternativen“, sagt der Gastronom und befürchtet: „In zwei Wochen wird die Situation sicher viel schlimmer sein.“ Viele Kollegen hätten alle Reserven aufgebraucht, „die würden einen zweiten Lockdown nicht überleben.“ Aber er will kämpfen. „Aufgeben ist keine Option.“

Nach Merkels Appell: Wirte in Aufruhr

Ganz ungefiltert erlebte mein Kollege Christoph Dannowski die Wut und Panik der Branche, nachdem Angela Merkel an alle Bürger appelliert hatte: „Bitte bleiben Sie, wenn immer möglich, zu Hause“. Eigentlich hatte die Kanzlerin damit Urlaubsreisen gemeint, aber einige Gastronomen und viele Gäste nahmen es wörtlich – und strichen den Besuch in Kneipe und Restaurant. „Fatal“ nannte Oliver Hodemacher vom Mövenpick am Kröpcke die Wirkung der Worte – er verzeichnete einen Umsatzrückgang von 50 Prozent. Vor allem die ältere Stammkundschaft sei sofort weggeblieben, berichtete auch Carsten Aschenbach vom „Vier Jahreszeiten“.
Muss das „Excalibur" in Bemerode schließen?

Sorgen über Corona hinaus hat Werner Eggert von dem Mittelalter-Restaurant „Excalibur“ in Bemerode. Ihm droht nach 20 Jahren die Schließung wegen neuer Brandschutzbestimmungen. „Wir müssen einen Weg zusammen finden“, appelliert er an die Stadt. Und hat eine Petition auf seiner Homepage, wo man für den Erhalt der schrägen Pinte abstimmen kann. Deren Besuch niemand vergessen wird, der dort Junggesellenabschied gefeiert hat. Als derben Spaß werden die Teilnehmer im „Excalibur“ nämlich gerne in Ketten gelegt. Und wer sich nicht benimmt, muss Küchendienst schieben, erzählte Eggert meiner Kollegin Luisa Verfürth. Das ganze Interview lesen Sie hier.
So schmeckt es im neuen, kleinen Clichy

Den Küchendienst in Ekki Reimanns „P‘tit Clichy“ genoss Kollege Sönke Lill, schwärmte von Zander, Maisentenbrust und charakterstarkem Riesling. Dem Service attestierte er leichte Defizite in der Kompetenz – was natürlich nicht für die berühmten Gastgeberqualitäten von Gastro-Legende Reimann galt. Hier geht’s zum Restauranttest.
Gosch feiert mit Matjesbrötchen für zwei Euro

Manche Gastronomen haben in diesen Tagen nicht nur Sorgen, sondern auch etwas zu feiern. Peter Schöftner zum Beispiel. Vor 20 Jahren eröffnete der Österreicher aus Haslach an der Mühl die erste Gosch-Filiale der Stadt im Bahnhof, vor zehn Jahren das Gosch-Restaurant in der Markthalle. Seinen Mitarbeitern dankt er, dass sie es so lange mit ihm ausgehalten haben. Und mit seiner Frau Annette bietet er ab heute für drei Tage Matjesbrötchen zum gleichen Preis wie vor 20 Jahren an – für zwei Euro. Mehr lesen Sie hier.
Ein paar Euro sollten wir alle zurücklegen und unsere Lieblingsgastronomen in diesen schwierigen Zeiten unterstützen. Sie werden sich wieder ins Zeug legen, Außer-Haus-Verkäufe und Lieferdienste anbieten, falls die Corona-Zahlen weiter dramatisch ansteigen. Dabei werden wir sie nicht allein lassen. Hannovers Gastronomen brauchen uns – und wir brauchen sie.

Hat Ihr Lieblingsgrieche die Terrasse mit Decken ausgelegt? Liefert Ihre Lieblingskneipe wieder Burger nach Hause? Wir freuen uns, wenn Sie Neuigkeiten mit uns teilen. Schreiben Sie einfach an gastro@neuepresse.de
Und kommen Sie gut durch die Woche. Bis zum nächsten Donnerstag!

Julia Braun
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