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Wo wir in Ricklingen das italienische Linden finden

Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Matthias Fröhnels Abenteuer begann im April. Der 54-Jährige, der eigentlich Gastronomien mit frisch gepressten Säften beliefert, bekam als Hobbykicker beim Tus Ricklingen den Tipp, dass die Vereinsgaststätte des Deutschen Rugby-Clubs an der Beekestraße frei geworden war. „Also habe ich mir das mal mit einem Kollegen, mit dem ich schon lange zusammenarbeite, angesehen", erzählt der kaufmännische Vertriebler. Dieser italienische Freund trägt den fantastischen Namen Salvatore Gigante und betreibt in Hildesheim die Eiscafé-Pizzeria „Venezia am Markt".
Schnell waren sich beide darüber einig, dass man aus dem Vereinsheim in Ricklingen ein Schmuckstück machen könnte. „Wir haben einen Eiswagen in den Biergarten gestellt, 18 Tonnen Sand hingekarrt und Liegestühle besorgt.“ So weit, so hoffnungsvoll. „Es lief gut an”, sagt Fröhnel. „Aber dann kam der schlechteste Mai seit 100 Jahren.“ Bei windig-nassem Wetter hielt sich die Begeisterung für Eiswaffeln und Sonnenliegen in Grenzen.
Dennoch gaben die Kompagnons nicht auf, machten sich auf die Suche nach Personal („Das war fast ein Ding der Unmöglichkeit”), boten selbstgemachten Kuchen und eine kleine, feine italienische Speisekarte an, richteten die rustikale Kneipe wie einen Marktplatz ein und nannten ihr neues Baby „Mercatovita Gastronomia Deichtorclub".
Beim DRC treffen seither einige Kulturen aufeinander. „Es kommen viele Vereinsmitglieder und Alt-Ricklinger", sagt Fröhnel. „Aber auch viele junge Leute entspannen mit ihren Laptops in der Beach-Area. Das sieht dann aus, als wäre man in Linden.“ Und statt Currywurst/Pommes/Schranke servieren die Wirte zum Beispiel Pinza Romana, einen Mix aus Pizza und Focaccia, belegt mit frischer Antipasti. Ein italienisches Stück Linden in Ricklingen.
Und das Duo schmiedet weitere Pläne, obwohl die Zeiten finanziell, klimatisch und pandemisch eigentlich kaum planbar sind. Seit neuestem bieten die Gastronomen an den Wochenenden ab elf Uhr Frühstück an, Fröhnel würde gerne kleine Konzerte („aber ohne Verstärker, wir sind in einem Wohngebiet”) stattfinden lassen, organisiert Kaffee-Seminare und möchte gerne regelmäßig Grill-Events veranstalten.
„Absolut crazy" nennt der Unternehmer die vergangenen Monate, „es ist das totale Abenteuer.“ Denn wie will man die laufenden Kosten inklusive Sky-Abo stemmen, wenn der Biergarten bei Wolkenbrüchen leer bleibt? „An manchen Tagen hat man am Ende 20 Euro in der Kasse”, sagt der 54-Jährige, „man kämpft ständig ums Überleben.“ An den Herbst will er im Augenblick nicht denken. „Da kann es schon wieder eng werden.”
Lieber konzentrieren er und Gigante sich darauf, ihren Gästen eine liebevolle Oase zu bieten. „Hier soll man einen Tag Urlaub um die Ecke machen können", sagt der Gastgeber. Der sich auf den August freut. „Dann bekommen wir die weltbesten Limetten aus Sizilien und lassen uns wundervolle Cocktail-Kreationen einfallen.“ Möge Matthias Fröhnels Abenteuer noch lange andauern.
Urlaub um die Ecke - das klingt angenehm unabenteuerlich. Denn wer weiß schon, welche Souvenirs die Hannover-Reisenden bei ihrer Rückkehr im Gepäck haben werden.
Kommen Sie auch gesund und genussvoll durch diese Woche, liebe Leserinnen und Leser. Und verraten Sie uns gerne, wo in Hannover und Umland sich Ihre Urlaubsecke befindet - einfach eine Mail an gastro@neuepresse.de schicken.
Bis nächsten Donnerstag!
Julia Braun
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