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Zwei Neueröffnungen zwischen Prunk und Punk

Neues aus der Gastro-Szene in HannoverNeues aus der Gastro-Szene in Hannover

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

es tut sich was in Hannovers Gastroszene - und die Stilrichtungen könnten nicht gegensätzlicher sein! Vor zwei Monaten hat an der Rathenaustraße ein Restaurant eröffnet, dem eine Einweihungsparty mit rotem Teppich und Blitzlichtgewitter auch gut gestanden hätte. Doch „Zo'e" kam heimlich, still und leise, öffnete seine Türen ohne Tamtam. Und ist ein interessanter Neuzugang hinter der Oper: „Wir wollten einen Ort kreieren, an dem unterschiedliche Küchen der Welt zusammenkommen“, erklärte Betriebsleiter Aminas Abou-Alhaj meiner Kollegin Mirjana Cvjetkovic (den ganzen Bericht lesen sie Freitag in Print und in der Digital-Ausgabe).
In der Küche stehen Sushi-Experten und ein Pastameister aus Italien, die Poke Bowls heißen „Tokyo", „Marrakesch" oder „Greek", auf den belegten Broten aus der Bäckerei Gaues werden mit Rote-Bete-Crumble und besonderen Zutaten Akzente gesetzt. Die findet man auch bei der Einrichtung: schwarzweißer Fußboden, samtbezogene Stühle, mondäne Porträts an den Wänden, üppige Pflanzenwände - und Lichteffekte, die schon vor der Eröffnung für Aufsehen bei Passanten sorgten. „Einige dachten, hier zieht ein Lampenladen ein", sagt Abou-Alhaj (Foto) amüsiert.
Er hat seinen Beruf im Fünf-Sterne-Hotel Ritz Carlton in Wolfsburg gelernt, betont aber, dass das „Zo'e" trotz der prunkvollen Optik offen für alle sei. „Es gibt keinen Dresscode, jeder ist willkommen.“ Große Toleranz in Sachen Outfit gibt es bestimmt auch in dieser Neueröffnung: Am Freitag, 8. Oktober, gehen am Eingang der Limmerstraße die „Pizza Punks” an den Start.
„Wir wollen etwas gegen den Strom anbieten", sagt Abdullah Besler, der das Lokal zusammen mit seinem Bruder Atilla eröffnet. Den Plan, aus der ehemaligen Apotheke ein Szenelokal zu machen, hatten sie schon vor dem Corona-Lockdown im März 2020. Tonnenweise Schutt haben sie abtransportiert, Backsteinmauern freigelegt, einen Biergarten errichtet, mit Künstlern die Graffiti an den Wänden gestaltet - Schriftzüge wie „Punks forever" und das berühmte eingekreiste Anarchie-A inklusive. „Pizza Punks" (zum ganzen Text geht es hier) stoßen auf der Limmerstraße allerdings nicht gerade in eine Marktlücke: Die Hannover-Kette „Francesca & Fratelli" hat hier Mitte September ihre dritte (!) Pizzeria auf wenigen hundert Metern eröffnet…
Eine echte Lücke in Döhren hingegen schließt Juri Duchan mit seinem „Esskult". Nach dem langen zweiten Corona-Lockdown folgte eine aufwändige Renovierung des Lokals - „sieben Jahre nach der Eröffnung musste das sein". Womit Duchan und seine Mutter Irina, die in der Küche wirbelt, allerdings nicht rechneten, waren Baustoffengpässe, Handwerkermangel und viele Verzögerungen. „Der letzte Anstrich war am 30. September, am Tag danach ging der Betrieb los“, erzählt der 33-Jährige - und schwärmt nach elf langen Monaten der Schließung von seinen Stammgästen, bei denen er sich mit emotionalen Worten in den sozialen Medien bedankt hatte. „Es mag Gastronomiebetriebe geben, bei denen die Zahlen im Vordergrund stehen.“ Bei den Duchans ist es Leidenschaft. „Wir sind dazu geboren.“
Hannovers Gastronomie - hier findet man opulente Optik, kerniges Understatement, Leidenschaft. Immer donnerstags berichten die NP über „Neues aus der Gastro-Szene". Sie haben Tipps für uns? Kritik oder Lob? Wir freuen uns über Ihre Rückmeldung - einfach eine Mail an gastro@neuepresse.de schicken!
Bis nächste Woche
Andrea Tratner
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